Jugendjahre
Ernst Lederer wurde am 9. Februar 1913 als Sohn von Georg Lederer und seiner Ehefrau Nanette, geb. Sulzberger, in Mannheim geboren. Georg Lederer betrieb einen Bierverlag (Getränkegroßhandel) in dem 1910 von der Stadt Mannheim eingemeindeten Ort Feudenheim. Mannheim war eine Industrie- und Arbeiterstadt, der industriefreie Vorort Feudenheim dagegen ein beliebter Wohnort für wohlhabende Bürger, aber auch für Arbeiter. Es gab eine jüdische Gemeinde, mit einer 1813 erbauten Synagoge und einem jüdischen Friedhof. In Feudenheim wuchs Ernst Lederer auf, besuchte erst die vier Klassen der Volksschule und dann die Realschule. Danach ging er bis zum Abitur Ostern 1932 auf die Tulla-Oberrealschule in Mannheim. Sein weiterer Weg war unklar, da er keine besonderen Neigungen zu einem bestimmten Beruf oder Studium verspürte. Ein halbes Jahr arbeitete er im Bierdepot seines Vaters, danach begann er lustlos eine kaufmännische Lehre in der Verkaufsabteilung der Olny Deutsche Benzin- und Petroleum G.m.b.H. in Mannheim.
Nachdem am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt worden war, vollzog sich in wenigen Monaten die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten: der Reichstag wurde aufgelöst, demokratische Parteien verboten und viele Abgeordnete ohne Prozesse in Konzentrationslager gesteckt und gefoltert. Dieser rasche, gewaltsame Weg in die Diktatur imponierte Ernst Lederer mächtig: er war zwar nicht in der Hitler-Jugend oder einer anderen NS-Organisation aktiv gewesen, sah aber jetzt die Chance für eine rasche Karriere bei den Nazis – ohne den mühsamen Weg einer Berufsausbildung, bei der er sich unterzuordnen hätte, und ohne Studium. Es war seine Entscheidung – niemand hatte ihn gezwungen. Weiterlesen



