Eine Geschichte von Vernichtung und Überleben

— noch im Aufbau —

Nach dem Überfall auf Polen wird am 26. Oktober 1939 zeitgleich mit der Gründung des Generalgou­vernements (GG) der Arbeitszwang für Juden verkündet. Es werden Ghettos gebildet und Zwangsar­beitslager (ZAL) eingerichtet.

Zu Beginn der „Operation Barbarossa“, des Angriffs auf die Sowjetunion am 22.6. 1941, leben etwa 540.000 Juden in Ostgalizien. Hinter den Truppen der Wehrmacht ermorden Einsatzgruppen der SiPo und des SD Politkommissare und Vertreter der jüdischen Intelligenz. In 31 Orten Ostgaliziens finden Pogrome statt. Der neugegründete Distrikt Galizien übernimmt Anfang August 1941 den Arbeitszwang für Juden und andere antijüdische Verordnungen. Die ersten Zwangsarbeitslager für Juden (ZALfJ) wer­den an der Durchgangsstraße IV („Rollbahn Süd“) und in Lemberg-Janowska (DAW) eingerichtet. Unter­nehmen wie die Beskiden-Erdöl (spätere Karpathen-Öl AG) können „unersetzbare“ jüdische Fachkräfte wieder einstellen. Im Herbst 1941 finden an vielen Orten im Distrikt Massenerschießungen der jüdi­schen Bevölkerung – auch von Frauen und Kindern – statt. Am 1. November wird mit dem Bau des Ver­nichtungslagers Bełżec begonnen.

Auf der Wannsee-Konferenz am 20.1.1942 wird die administrative Zusammenarbeit von Zivilverwal­tung, Militär, SS und Polizei bei der „Endlösung“ der Judenfrage vereinbart. Die Errichtung geschlosse­ner Ghettos wird verordnet. Im Frühjahr 1942 beginnt die systematische Endlösung mit der ersten Welle der Massendeportationen nach Bełżec. Arbeitsämter registrieren alle Juden, abgestuft nach Ar­beitsqualifikation (ABC-Registrierung). Zwangsarbeit erscheint jetzt den von der Vernichtung bedrohten Juden als vorläufige Rettung, zumal die Ghettos durch die Ermordung ihrer Insassen schrittweise ver­kleinert werden. Im Sommer erhält die SS die Kompetenz über die Zwangsarbeit der Juden. Der Herbst 1942 wird zur Phase der schlimmsten Massenmorde im GG: viele Ghettos werden geräumt, Massener­schießungen und Deportationen in die Vernichtungslager intensiviert. Aufgrund des Abzugs polnischer und ukrainischer „Fremdarbeiter“ ins Reich verschärft sich der Arbeitskräftemangel in den Unterneh­men: unersetzbare jüdische Arbeitskräfte dürfen nur noch in kriegswichtigen Unternehmen gehalten werden, kaserniert in Lagern der SS. An diese Juden werden „R“- und „W“-Armbinden ausgegeben; Arbeitslager und Arbeitskolonnen anderer Betriebe werden liquidiert. Das im Mai 1942 eingerichtete ZAL Lemberg-Janowska wird zu einem Arbeits-, Selektions- und Tötungszentrum. Ende Oktober wird parallel zur Ghetto-Räumung in Krakau das ZAL in Krakau-Plaszów eingerichtet – das größte ZALfJ im GG. Bis Mitte Dezember 1942 werden über 450.000 Juden in Bełżec vergast.

Zwischen März und Mai 1943 werden fast alle noch bestehenden Ghettos im GG in brutalen Mordaktio­nen aufgelöst. Im Distrikt Galizien sind noch etwa 50.000 jüdische Zwangsarbeiter in Lagern interniert. Himmler betrachtet nach dem Warschauer Ghetto-Aufstand und jüdischen Widerstandsaktionen die letzten Ghettos und ZAL als Sicherheitsrisiko, die er komplett vernichten will. Im Sommer 1943 werden die meisten jüdischen Zwangsarbeiter bei Massenexekutionen ermordet, auch alle Häftlinge der ZAL an der DG IV. Der SS- und Polizeiführer Katzmann meldet, dass der Distrikt Galizien „judenfrei“ sei, bis auf 21.000 Häftlinge in 21 ZAL, vor allem dem ZAL Lemberg-Janowska und einigen Lagern der Karpathen-Öl AG. Deutsche und ukrainische Polizei machen Jagd auf in den Wäldern untergetauchte Juden.

Hunderte Juden, die sich im Untergrund nicht mehr versorgen konnten, gelangen in die übrig gebliebe­nen Lager. Angesichts der näher rückenden Ostfront werden ab März 1944 die ZAL im Distrikt geräumt: die ZAL Boryslaw und Drohobycz in drei Transporten nach Plaszów und Auschwitz. Dort werden die An­kömmlinge zum Teil direkt erschossen oder vergast, oder in andere Lager wie Mauthausen, Stutthof und Bergen-Belsen verschleppt, wo die meisten durch Arbeit oder Mord vernichtet wurden.

Die Gesamtzahl der ermordeten Juden aus dem Distrikt Galizien beträgt rund 525.000 Opfer, davon kamen mindestens 40.000 als Zwangsarbeiter in den ZAL um. Nur 2-3 Prozent der galizischen Juden überlebten den Holocaust.

Zeitablauf im Überblick